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Yardena Malka, Project Manager
yardena.malka@amstutz.partners

Storytelling aus Sicht einer Expertin

«Listen more than you talk and ask more than you answer.»

JUNI 2019

Geschichten faszinieren sie bereits ein Leben lang: Christine Anne Berger, Creative Director bei Amstutz Partners, hat in den USA und Schottland studiert und sich dabei intensiv mit der Kunst des Story­tellings auseinandergesetzt. Sie versteht es, ­Produkte und Dienstleistungen an ­Emotionen und somit an Geschichten zu knüpfen und verrät, warum sie die ­Methode für so kraftvoll hält.

Was ist die Essenz einer guten Geschichte?

Eine gute Geschichte lebt von den Herausforderungen und den Hürden, die der Protagonist zu überwinden hat. Die Art und Weise wie er diese bewältigt, gibt der Geschichte die notwendige Substanz.

Was fasziniert dich am Storytelling besonders?

Ich liebe es, wenn Bestandteile meiner Geschichte erlebt, erforscht und interpretiert werden können. Ich möchte den Leser in visuell ansprechende Erzählungen einbinden. Nur so hinterlässt die Geschichte bleibende Erinnerungen und prägt sich beim Leser als persönliches Erlebnis ein. Von diesem Moment an entfaltet sich die Story völlig unabhängig von mir – der Leser erzählt sie in seinen Worten weiter und gibt der Geschichte ein Eigenleben. Auch wenn jede Erzählung, die ich kreiere, stets einen Teil von mir selbst, meinen Erfahrungen und meinen Erinnerungen beinhaltet, ist es diese Dynamik, die das Storytelling ausmacht.

Bild: iStockphoto

Woher kommt diese Leidenschaft?

Inspiriert hat mich meine Grossmutter, die selbst gerne Geschichten erzählt hat. Bis heute fasziniert es mich, wie uns Erzählungen durch Zeit und Raum transportieren und unsere Wahrnehmung von den Menschen um uns herum verändern. Geschichten sind schlichtweg kraftvoll!

Woher nimmst du deine Ideen und was empfiehlst du zukünftigen Erzählern?

Ich sammle ständig Informationen: Aus der Vergangenheit, aus meiner Umgebung, aus Erfahrungen und aus allem und jedem um mich herum. Selbst ein alter Baum kann durch seine Narben, Ringe und Formationen eine kraftvolle Geschichte erzählen. Zukünftigen Geschichtenerzählern empfehle ich: Sei dir im Klaren darüber, wer deine Zielgruppe ist und welche Heraus­forderungen sie meistern muss – dann leg einfach los! Auch für einen Künstler sind weisse Leinwände das Schlimmste. Sobald seine Leinwand bemalt ist, kann er sich immer wieder an dem orientieren, was er bereits ge­schaffen hat. Schritt für Schritt entsteht so eine starke Geschichte.

Bild: iStockphoto

«Storydoing» kommt zurück! Was hältst du davon? Sollten Geschichtenerzähler auch «Storydoers» werden?

Eine Geschichte wird von einem Storymaker erschaffen, von einem Storyteller erzählt und von einem «Storydoer» zum Leben erweckt. Die Fähigkeiten, alle drei Techniken erfolgreich zu vereinen, besitzen nicht viele Unternehmen. Diese drei Elemente sind eine ganzheitliche Lernerfahrung und machen Geschichten nicht nur erlebbar, sondern lassen sie auch organisch wachsen. Erzählungen entfalten und verbreiten sich selbstständig und damit dieses Wachstum positiv, unabhängig und selbsttragend bleibt, benötigt die Geschichte ein solides Fundament. Red Bull, Tesla und unter anderem Steve Jobs haben dabei hervorragende Arbeit geleistet. Sie haben eine Unternehmenskultur geschaffen, welche die Kunst des «Storydoings» fördert.

«Storytelling forms how we see ourselves as well as how we feel about others. It creates relationships.»

Christine Anne Berger, Creative Director
christineanne.berger@amstutz.partners

Headerbild: Kevin Erdvig on Unsplash